Seismologie

Geologie Helgolands

Helgoland - Lange AnnaHelgoland nimmt in doppelter Hinsicht eine Sonderstellung unter den deutschen Nordseeinseln ein: Zum Einen aufgrund seiner isolierten Lage, zum Anderen aufgrund der Tatsache, dass Helgoland neben den Ostseeinseln Møn, Seeland und Rügen (Kreide) die einzige Felseninsel im deutschen, niederländischen und dänischen Raum ist. Der für die geologische Entstehungsgeschichte Helgolands entscheidende Prozeß ist die Halokinese, die Salztektonik. Dieser Prozeß soll hier kurz zusammengefaßt werden.

Während des Perms (vor ca. 286 Mio. Jahren) führte die Verwitterung und Erosion der variskischen Gebirges in Europa (Rotliegendes) und die darauffolgenden mehrfachen Überflutungen des Elbetrogs im Zechstein mit anschließender Evaporation zur Sedimentation von roten Tonen, Gips und Steinsalz im norddeutschen Raum.

Im Erdmittelalter lagerte sich darüber Buntsandstein (und später Muschelkalk), der infolge der Verwitterung auf dem alten Festland des variskischen Gebirges, deren Verwitterungsprodukt an Eisen und Aluminium angereichert ist, intensiv rot gefärbt ist. Die heutige Helgoländer Felseninsel baut sich überwiegend aus Gesteinen des mittleren Buntsandsteins auf.

Helgoland - SüdklippeDoch warum steht der Buntsandstein z.B. im Küstenbereich der norddeutschen Bucht erst in etwa 3000m Tiefe an? Die jüngeren Ablagerungen der Trias, Kreide und des Tertiärs überdeckten die permischen Salzgesteine des Rotliegenden und des Zechsteins. Diese Auflast führte zu einer Verdichtung des Salzgesteines und des darüberliegenden Buntsandsteins. Salzgestein kann allerdings nur auf eine maximale Dichte von ca. 2,2 g/cm3, Buntsandstein hingegen auf im Mittel 2,4 g/cm3 komprimiert werden. Diese Differenz führte zu einer deutlichen Dichteanomalie im Bereich der Zechsteinablagerung und verursachte ein plastisches Verhalten des Salzgesteines: Letzteres steigt, bevorzugt in bereits existierenden Schwächezonen (Verwerfungen) nach oben und hob dabei die daraufliegenden Schichten empor (Bildung von Salzkissen) bzw. durchbrach sie (Bildung von Salzstöcken bzw. Diapiren). Helgoland liegt heute im Scheitelbereich eines solchen Salzkissens. Die Hebungsprozesse halten bis heute an. Während der Elster- und der Saale-Eiszeit (vor 480.000-340.000 bzw. 280.000-130.000 Jahren) wurden wesentliche Teile der jüngeren Schichten durch das mächtige Inlandeis abgehobelt.

"Inselstatus" erhielt Helgoland erst um ca. 2000-1500 v.Chr. mit der Überflutung der letzten Landbrücke zur Loreley Bank. Durch marine Abrasion hat Helgoland seitdem jedoch große Gebiete verloren und hat heute nur noch eine Größe von ungefähr 2,09 km2.

(Text: Maren Böse, editiert von Christian Weidle)