Seismologie

Geschichte der seismischen Station HLG

(zusammengestellt von Maren Böse, editiert von Christian Weidle)
1903 Betrieb des ersten Seismographen auf Helgoland im Leuchtfeuergehöft vom Wasserbauamt Tönning unter Helgoländer Schuldirektor Herrn vom Brocke.
1907 Inbetriebnahme eines zweiten Seismographen im Keller der Biologischen Anstalt im Auftrag des geophysikalischen Institutes der Universität Göttingen unter Leitung von Prof. E. Wiechert ("Erste Helgoländer Erdbebenwarte").
1909 Einstellung des Stationsbetriebes im Leuchtfeuergehöft.
1914 - 1918 Wegen der Evakuierung der Insel für die Dauer des 1.Weltkrieges keine Tätigkeit der Warte.
1919 Einrichtung einer neuen Erdbebenwarte in den Räumen eines leerstehenden Scheinwerferstands auf dem Helgoländer Oberland am Falm (Station I. Ordnung mit Wiechert-Horizontalpendel (1000kg)).
1925 Inbetriebnahme dieser neuen Station, wiederum unter der Leitung der Biologischen Anstalt.
1928 Versterben von Prof. Wiechert am 19.März. Abbruch der Beziehungen zur Universität Göttingen. In den folgenden Jahren verlor die Erdbebenwarte Helgoland stark an Bedeutung. Vermutlich wurden die seismischen Registrierungen auf der Insel gelagert und durch die Kriegseinwirkungen 1945 vernichtet.
Mitte der 1930er Seismologische Betreuung der Station durch das Physikalische Staatsinstitut der Universität Hamburg (Prof. E. Tams).
1936 Verlegung der Erdbebenwarte in ein eigenes Stationsgebäude im Garten der Vogelwarte, nachdem die Marine auf Rückgabe der Scheinwerferstände am Falm drang.
1939 - 1942 Wiederaufnahme des seismologischen Betriebes ohne nennenswerte Unterbrechung.
1945 Zerstörung der Helgoländer Erdbebenwarte durch Bomben.
1945 - 1952 Helgoland ist Sperrgebiet und dient der Royal Air Force bei militärischen Übungen als Bombenziel.
1952 Freigabe der Insel durch die Besatzungsmächte.
1956 - 1959 Wiedererrichtung der Erdbebenwarte im Bereich der Helgoländer Schule, dieses Mal unter Leitung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Lehrstuhl für Geophysik (Prof. K. Jung), da Helgoland inzwischen verwaltungsmäßig Schleswig-Holstein zugeordnet ist. Die Warte wird mit Unterstützung durch Prof.Strobach (Hamburg) mit kurzperiodischen Seismographen des Typs "Stuttgart" (nach Hiller) und photographischen Registrierapparaten ausgestattet. Die Finanzierung erfolgt über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen eines Großgeräteantrags.
Zweck der Station soll die Registrierung seismischer Ereignisse in der Deutschen Bucht und im Nordseeraum sein (Nahbeben).
1971 Nach der Übernahme der Institutsleitung des Kieler Instituts für Geophysik durch Prof. Rolf Meissner, Teilmodernisierung der Erdbebenwarte  mit Austausch der photographischen Registrierung durch Trommelschreiber für thermoempfindliches Papier, außerdem Ausstattung der kurzperiodischen Aufnehmer mit elektronischer, virtueller Verlängerung der Eigenperiode.
Dadurch ist die Station in der Lage, Erdbeben aus allen Teilen der Erde aufzuzeichnen.
Dezember 2001 Neuinstallation eines modernen Streckeisen STS-2 Breitband-Seismometers und SeisComp-Rechners in der Schule. Daten werden in Echtzeit an das GeoForschungsZentrum Potsdam übertragen und sind global frei verfügbar.